19 März 2026

Der Hype um KI im Gesundheitswesen könnte kaum größer sein, aber die Bekämpfung der Tuberkulose (TB) wird mit KI bereits revolutioniert. Bei tragbaren digitalen Röntgengeräten übernimmt KI die Bildstabilisierung. Die Auswertung der Röntgenbefunde mit KI ermöglicht umfangreiches TB-Screening in hoher Qualität – selbst unter schwierigsten Bedingungen in den ärmsten Regionen, wo Ärzt*innen Mangelware und Radiolog*innen nicht vorhanden sind. Dies ist keine Zukunftsvision, sondern bereits Realität in über 22 Ländern, in denen der Globale Fonds in TB-Programme investiert. Wir beobachten eine grundlegende Veränderung bei der Identifizierung von Menschen mit Tuberkulose, einer furchtbaren Krankheit, der weiterhin mehr Menschen zum Opfer fallen als jedem anderen infektiösen Erreger. Möglich wird dies durch Fortschritte in der Molekulardiagnostik sowie neue batteriebetriebene Geräte, die die Geschwindigkeit und Genauigkeit der TB-Diagnose dramatisch verbessern werden.
Zurzeit entwickeln fast 2,5 Millionen Menschen eine aktive TB, aber sie erhalten nie eine Diagnose, geschweige denn eine Behandlung. Mit KI-gestütztem Screening sowie deutlich preisgünstigerer, präziserer und schnellerer Diagnose können wir diese Zahl radikal reduzieren und Menschen eine Behandlung anbieten. Dadurch können Hunderttausende von Menschenleben gerettet und Millionen weiterer Infektionen vermieden werden.
Natürlich reichen innovative Technologien allein nicht aus. Sie müssen den Menschen, die am meisten davon profitieren können, in großem Umfang zur Verfügung gestellt werden. Dem höchsten TB-Risiko sind im Allgemeinen die Menschen in den ärmsten und am stärksten benachteiligten Gemeinschaften ausgesetzt. Sie müssen erreicht werden. Aus diesem Grund hat ein Land wie Indonesien, das eine der weltweit höchsten TB-Lasten verzeichnet, ein völlig neues Konzept zur Bekämpfung der Krankheit entwickelt. Indonesien nimmt eine Spitzenposition bei der Einführung von innovativem Screening und neuartiger Diagnostik auf der Ebene der lokalen Gemeinschaften ein. Die Behandlung wird nicht mehr in entfernt gelegenen Krankenhäusern eingeleitet, sondern in über 460 lokalen „Puskesmas“ oder medizinischen Grundversorgungszentren. In vielen der am stärksten von TB betroffenen Ländern ist die Gewinnung von privaten Kliniken und Apotheken entscheidend, um mehr Menschen zu erreichen, denn diese sind häufig die erste Anlaufstelle für die am stärksten gefährdeten Gemeinschaften. Die Einrichtung funktionsfähiger öffentlich-privater Partnerschaften gegen TB ist eine vielleicht ebenso wichtige Innovation wie die Medikamente und Geräte selbst.
Tatsächlich sind Fortschritte bei Screening und Diagnostik nur ein Element einer Innovationswelle bei der Bekämpfung der Tuberkulose. Um die potenziellen Auswirkungen dieser Innovationen zu verstehen, muss die grundlegende Epidemiologie der TB kurz erläutert werden, denn auch in der vereinfachten Darstellung ist sie offensichtlich komplexer als bei vielen anderen Krankheiten. Etwa 20 % der Weltbevölkerung haben latente TB, das heißt, sie tragen das Bakterium in sich, haben aber keine Symptome. Viele Menschen mit latenter TB entwickeln nie eine aktive TB. Bei Menschen, deren Immunsystem durch Mangelernährung, Rauchen, andere Infektionskrankheiten wie HIV oder nicht übertragbare Krankheiten wie Typ-2-Diabetes beeinträchtigt ist, kann sich die latente TB jedoch zu einer aktiven Krankheit entwickeln. Inzwischen können andere Personen ohne latente TB einfach angesteckt werden, wenn sie sich in großer Nähe zu Menschen mit aktiver TB aufhalten. Noch komplexer wird die TB-Bekämpfung durch die Unterscheidung zwischen medikamentensensibler TB, die auf die Behandlung mit vergleichsweise preisgünstigen Antibiotika anspricht, und medikamentenresistenter TB, die eine deutlich längere und teurere Behandlung erfordert.
Neben den Innovationen bei Screening und Diagnostik beobachten wir eine Innovationswelle, die neue Möglichkeiten der Bekämpfung dieser Erkrankung in jedem Stadium bietet. Bessere Therapien gegen latente TB: ein breites Spektrum von Präventionsinstrumenten, die das Risiko der Aktivierung einer latenten TB senken. Dazu zählt ein wahrscheinlicher TB-Impfstoff, der etwa 2029 zur Verfügung stehen dürfte. Wirksamere Behandlungen der medikamentensensiblen und medikamentenresistenten TB. Für nationale TB-Programme gehört es tatsächlich zu den größten Herausforderungen, den optimalen Maßnahmenmix zu entwickeln. Da nie genug Geld für alles da sein wird, müssen die Gesundheitsminister entscheiden, mit welcher Kombination von Instrumenten sich angesichts der spezifischen TB-Epidemiologie, mit der jede Gemeinschaft konfrontiert ist, die größte Wirkung erzielen lässt. Wo die meisten TB-Fälle durch HIV-Infektionen entstehen, wie es in großen Teilen Süd- und Ostafrikas der Fall ist, muss der Hauptfokus möglicherweise auf der Investition in HIV-Prävention und -Prophylaxe bei den HIV-positiven Menschen liegen. Wenn die aktiven Fälle durch extreme Armut und Mangelernährung begünstigt werden, muss diesen sozioökonomischen Faktoren mehr Gewicht beigemessen werden.
Es gibt in diesem Fall keine allgemeingültige Lösung und keinen Königsweg, der beschritten werden könnte. Vielmehr muss die Kombination von Strategien passend zu jedem Kontext entwickelt werden. Das Gute ist, dass uns ein zunehmend leistungsfähigeres Instrumentarium zur Verfügung steht, mit dem wir arbeiten können. Die Herausforderung wird darin bestehen, die optimale Nutzung der einzelnen Instrumente sicherzustellen. Die Länder selbst – Gesundheitsministerien, nationale TB-Programme und die Menschen in den am stärksten betroffenen Gemeinschaften – sind am besten in der Lage, diese Entscheidungen zu treffen. Bei dem Modell des Globalen Fonds haben die Länder daher die Befugnis, eigene Prioritäten zu setzen und selbst zu bestimmen, wie das von uns bereitgestellte Geld verwendet werden soll. Zusammen mit Partnerorganisationen müssen wir den Ländern jedoch auch Nachweise und technische Erkenntnisse zur Verfügung stellen, die ihnen als Entscheidungsgrundlage dienen können. Auch hier kann KI eine Rolle spielen.
Für die weltweiten Maßnahmen zur TB-Bekämpfung waren noch nie ausreichende Ressourcen vorhanden. Angesichts der Kürzungen bei der globalen Gesundheitsfinanzierung gilt das jetzt erst recht. Vertriebene und Flüchtlinge waren immer besonders anfällig für TB, und die aktuelle Welle von Konflikten wird die Zahlen weiter erhöhen. Folglich läge es am heutigen Welttuberkulosetag nahe, die Zukunft unserer Bekämpfung der Krankheit in düsteren Farben zu malen. Dies muss jedoch nicht zwangsläufig Realität werden, sondern wir haben es in der Hand. Mit entschlossener Führung – wie sie in Indonesien gezeigt wurde – und durch die intelligente Nutzung gegenwärtiger und zukünftiger Innovationen können wir die Herausforderungen überwinden und unsere Dynamik nicht nur beibehalten, sondern Fortschritte bei der TB-Bekämpfung schneller erreichen.
Dieser Gastbeitrag ist zuerst auf Forbes erschienen.