Mit einem winzigen Gerät macht die TB-Bekämpfung einen Riesenfortschritt

Der Globale Fonds/Jason Mulikita

Sambia erlebte 2024 eine verheerende Dürre – die schlimmste Trockenheit seit 30 Jahren. Die Auswirkungen waren im Alltag fast überall spürbar. Auch das Gesundheitssystem des Landes war betroffen.

Niedrige Pegelstände von Flüssen und Stauseen brachten die Stromversorgung von Sambia an den Rand des Zusammenbruchs. Da über 80 % des Stroms in dem Land mit Wasserkraft erzeugt werden, sank die Stromproduktion bei anhaltender Trockenheit auf historische Tiefstände. Stromausfälle führten zu Betriebsunterbrechungen, zum Stillstand von Produktionsanlagen und zu Einschränkungen bei öffentlichen Dienstleistungen. Die Stromausfälle hatten auch Auswirkungen auf die Diagnostik der Tuberkulose (TB), die jedoch weniger offensichtlich waren.

Für die meisten weltweit durchgeführten Reihenuntersuchungen auf Tuberkulose werden große Geräte für die Molekulardiagnostik benötigt. Diese Geräte sind hochpräzise, aber teuer in der Unterhaltung, erfordern eine stabile Stromversorgung und häufig eine klimatisierte Umgebung, damit sie richtig funktionieren. Mit der Verschärfung der Energiekrise in ganz Sambia kam es zunehmend zu Betriebsstörungen bei den für die TB-Untersuchungen eingesetzten großen Diagnostikgeräten.

„Wir standen vor erheblichen Herausforderungen, manchmal hatten wir stundenlang keinen Strom“, erklärte Dr. Eddie Solo, Leiter des Tuberkuloselabors am University Teaching Hospital in Lusaka. „Wir haben versucht, Back-up-Systeme zu installieren, aber wir konnten den verlorenen Strom nicht ersetzen.“

Mitten in seinem betriebsamen Labor zeigte Dr. Solo jedoch auf ein Gerät, das ohne Weiteres auf seine Handfläche passt – und eine Antwort auf diese Herausforderung liefert. „Das neue Gerät ist batteriebetrieben; das macht einen großen Unterschied.“

Das Gerät für den sogenannten Near-Point-of-Care-Test (NPOC-Test) ist für den Betrieb mit minimalem Stromverbrauch ausgelegt. In Situationen, in denen der Strom knapp oder die Versorgung unzuverlässig ist, kann der geringe Strombedarf des Tests entscheidend sein. Anders als die großen Diagnostikplattformen, die den überwiegenden Teil der weltweiten TB-Infrastruktur ausmachen, können die NPOC-Geräte in Zentren der medizinischen Grundversorgung eingesetzt werden, in denen die meisten Menschen mit TB zuerst medizinische Hilfe suchen. Damit kann eine kritische Lücke in der TB-Bekämpfung geschlossen werden: die zeitnahe Diagnose in den Gemeinden vor Ort.

Ihre Bedeutung reicht weit über Sambia hinaus.

TB bleibt die tödlichste Infektionskrankheit der Welt. Allein 2024 forderte die Tuberkulose weltweit mehr als 1,2 Millionen Menschenleben. Im gleichen Jahr erkrankten 10,7 Millionen Menschen an TB. Schätzungsweise 2,4 Millionen von ihnen wurden von den Gesundheitssystemen „übersehen“ – bei ihnen wurde keine Diagnose gestellt, und sie wurden nicht behandelt oder nicht gemeldet. Die Menschen, bei denen die Tuberkulose unerkannt bleibt, laufen nicht nur Gefahr, an der Krankheit zu sterben, sondern sie können die Infektion auch jedes Jahr auf etwa 15-20 andere Menschen übertragen.

Sobald die Diagnose gestellt ist, ist die Behandlung hochwirksam. Die weltweiten Erfolgsraten der Behandlung liegen bei fast 90 %. Die Herausforderung besteht darin, die Menschen früh genug zu identifizieren – bevor die Krankheit schwere Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat und möglicherweise tödlich endet und bevor sie sie unwissentlich auf andere übertragen.

Deshalb spielen die neuen NPOC-Tests eine wichtige Rolle. Wenn hochwertige Diagnostik näher zu den Menschen gebracht wird – insbesondere zu den Menschen in unterversorgten und entlegenen Gemeinden –, kann das Gesundheitspersonal schneller mehr Menschen mit der Krankheit ermitteln.

Im Rahmen einer vom Globalen Fonds und der Children’s Investment Fund Foundation (CIFF) geleiteten und vom Aurum Institute umgesetzten Partnerschaft werden in den kommenden Monaten fast 3 Millionen dieser Tests an Menschen in Ländern wie Äthiopien, Bangladesch, Benin, Indonesien, Kamerun, Kenia, Nigeria, Peru, den Philippinen, Sambia, Südafrika, Uganda und Vietnam ausgeliefert.

Diese Lieferungen könnten die Bekämpfung der TB grundlegend verändern. Der Gesundheitsminister von Benin, Benjamin Hounkpatin, dessen Land das Diagnosegerät im Juni als Erstes erhielt, traf es auf den Punkt: „Dies ist ein wichtiger Schritt nach vorn in unseren Bemühungen, hochwertige TB-Gesundheitsleistungen allen Menschen zugänglich zu machen, auch wenn sie in entlegenen Gemeinden leben. Wenn wir schnelle und präzise Diagnostik für die Gesundheitsversorgung vor Ort zur Verfügung stellen, können wir Menschen früher finden, die Behandlung schneller beginnen und viele Menschenleben retten.“

Diese neue Klasse von NPOC-Tests liefert Ergebnisse in weniger als einer Stunde und bietet eine deutlich höhere Genauigkeit als die Sputummikroskopie, die in vielen dezentralen Einrichtungen lange Zeit als einziges Diagnosemittel zur Verfügung stand.

Diese Geräte haben ein enormes Potenzial für Länder, die mit der doppelten Herausforderung einer hohen TB-Last und fragilen oder überstrapazierten Gesundheitssystemen konfrontiert sind. Diese Systeme sind oft durch Konflikte, neue Krankheitsausbrüche und immer häufigere Extremwetterereignisse belastet.

Dieses neue Gerät ergänzt außerdem stärker zentralisierte Plattformen für die Molekulardiagnostik wie GeneXpert. Solche Plattformen sind weiterhin notwendig für die Durchführung zusätzlicher Tests bei Menschen, deren NPOC-Test positiv ausfällt, z. B. für die Diagnose der medikamentenresistenten Tuberkulose. Vermutlich wird die Nachfrage nach Tests auf medikamentenresistente Tuberkulose steigen, wenn mehr Menschen im Rahmen der medizinischen Grundversorgung getestet werden.

„Diese neuen Geräte verändern die TB-Diagnose, aber wir betrachten sie nicht als Ersatz für die bestehenden Molekulartests. Sie sind vielmehr eine leistungsstarke Ergänzung der bereits eingesetzten Diagnosegeräte und können zur Beschleunigung der Maßnahmen beitragen, die zur Auffindung von Millionen von Menschen mit einer nicht erkannten Tuberkulose ergriffen werden”, erklärte Dr. Eliud Wandwalo, Head of Tuberculosis beim Globalen Fonds.

Für die TB-Community ist dieser Durchbruch von besonderer Bedeutung. Jahrzehntelang musste sie eine historisch vernachlässigte Innovationspipeline erleben: Für die Diagnose wurde jahrhundertealte Mikroskopie eingesetzt, es wurde ein jahrhundertealter Impfstoff verwendet, und die Behandlung der medikamentenresistenten TB war von schweren, extrem belastenden Nebenwirkungen geprägt.

Das Near-Point-of-Care-Testgerät verleiht der wachsenden Innovationswelle bei der TB-Behandlung der letzten Jahre neue Dynamik und markiert einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Sieg über eine der ältesten und tödlichsten Krankheiten der Menschheit.

Viel zu lange war TB die vergessene Pandemie“, erklärte Dr. Wandwalo. „Mit einer erneuerten Produktpipeline, die uns unter anderem Instrumente wie NPOC zur Verfügung gestellt hat, können wir die Tuberkulose konsequenter bekämpfen, bis diese Krankheit schließlich der Vergangenheit angehört.“