Neue Instrumente, geschützte Räume: Ausbau der HIV-Prävention in Mosambik

Gesundheitspersonal, juristische Hilfskräfte und Klienten im Gemeindezentrum in Maputo, Mosambik. Der Globale Fonds/Vincent Becker

„Silent voices don’t drive change“ – „Wer schweigt, verändert nichts“

Das ist das Motto in einem bescheidenen, aber pulsierenden Gemeindezentrum in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo.

Menschen, die viel zu oft mit Stigma und Diskriminierung konfrontiert sind, finden hier einen sicheren Ort und erhalten Unterstützung beim Zugang zu lebenswichtiger medizinischer Versorgung und Rechtsschutz – Leistungen, die ihnen oftmals verwehrt wurden.

Tiago* ist 24 Jahre alt, arbeitet als Fliesenleger und nimmt an einem Kursus für Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit teil. Von dem Zentrum erfuhr er, wie viele seiner Freunde, durch einen Streetworker – jemand, dem er vertrauen und von seinen Problemen erzählen konnte.

„Dies ist nicht nur eine Einrichtung, es ist eine Familie“, meint Tiago. „Es ist sehr gut, hier zu sein, nicht nur für mich, sondern für viele Menschen.“

Das Zentrum wird von einer kommunalen Organisation mit Investitionen des Globalen Fonds betrieben.

Es wird durch ein Netzwerk von 20 Streetworkern unterstützt, die als wichtiges Bindeglied zwischen der Community und dem Gesundheitswesen fungieren.

Das Zentrum ist nicht nur ein sicherer, einladender Ort, sondern es bietet auch Gesundheitserziehung an und hilft Menschen, sich in der Gesundheitsversorgung zurecht zu finden und Zugang zur Behandlung zu erhalten. Außerdem stehen drei ausgebildete juristische Hilfskräfte zur Verfügung. Sie leisten Rechtsberatung und unterstützen diejenigen, die Gewalt oder Diskriminierung erfahren haben.

Global gesehen besteht für homosexuelle Männer und andere Männer, die Sex mit Männern haben, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine 23-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit, sich mit HIV zu infizieren. Sie zu erreichen und zu unterstützen, ist unbedingt notwendig, um Neuinfektionen zu reduzieren und die Epidemie unter Kontrolle zu bringen.

Über die direkte Unterstützung hinaus arbeitet das Team auch eng mit Gesundheitsdienstleistern, Geistlichen und der Polizei zusammen, um Leistungen zu fördern, die frei von Stigma sind.

„Es bestehen noch viele Herausforderungen, aber die Dinge sind heute viel einfacher als vor zehn Jahren“, erklärt die juristische Hilfskraft Isabel*.

Von links nach rechts: Henrique, Tiago und Carlos* im Gemeindezentrum in Mosambik. Alle drei haben Anfang dieses Jahres Lenacapavir erhalten. Der Globale Fonds/Vincent Becker

In Zukunft wird das Zentrum auch dabei mitwirken, den Menschen eine neue Generation der HIV-Prävention zugänglich zu machen.

Mosambik gehört zu den neun Pionierländern, die mit Unterstützung des Globalen Fonds Anfang dieses Jahres mit der Verabreichung von Lenacapavir (LEN) begonnen haben. LEN ist eine injizierbare Form der Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die zweimal jährlich verabreicht wird.

Eine tägliche Tabletteneinnahme ist nicht mehr erforderlich. Zwei einfache Injektionen alle sechs Monate bieten fast vollständigen Schutz – und sind eine bequeme, diskrete Option.

Für Tiago ist dies bereits Realität. Er erfuhr im Zentrum von LEN und wurde an eine Gesundheitseinrichtung verwiesen, wo er seine erste Dosis erhielt. Tiago meint, der Schutz durch LEN verschaffe ihm mehr innere Ruhe und bedeute für ihn Flexibilität im Alltag.

Henrique*, der als Aufsichtsperson im Zentrum arbeitet, hat LEN ebenfalls erhalten. Seiner Meinung nach hat LEN das Potenzial, den Schutz vor HIV für die gesamte Community deutlich zu erhöhen. Henrique und seine Kolleg*innen unterrichten Gleichgesinnte aktiv über die neue Präventionsmöglichkeit.

„Dies ist unser Platz“, erklärt er. „Ein Ort, an dem wir zusammenkommen. Wir haben bereits mit Aufklärungsarbeit über Lenacapavir begonnen. Wir haben mehrere Aktivitäten geplant.“

Das Zentrum sorgt mit dafür, dass die neuen Präventionsmittel verstanden werden, ihnen vertraut wird und die Menschen wissen, wo sie sie erhalten können.

Seit 2010 haben die Investitionen des Globalen Fonds dazu beigetragen, dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Mosambik um 45 % gesenkt wurde – aber angesichts von rund 92.000 Neuinfektionen jährlich ist es weiterhin entscheidend, dass die am stärksten gefährdeten Personen mit Präventions-, Test- und Behandlungsmaßnahmen erreicht werden, um HIV als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu beenden.

*Namen aus Datenschutzgründen geändert.