Der Fortschritt bei der Bekämpfung der tödlichsten Infektionskrankheiten steht auf Messers Schneide
Der Globale Fonds/Brian Otieno
Im Jahr 2025 wurden die internationalen Finanzmittel für die globale Gesundheit in einem beispiellosen Ausmaß und Tempo gekürzt. Dies hat zu Unterbrechungen bei Programmen zur Bekämpfung der tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt geführt. Alljährlich fordern HIV, Tuberkulose (TB) und Malaria weiterhin Millionen von Menschenleben. Alle, die sich für die Bekämpfung dieser Krankheiten engagieren, haben dramatische Rückschläge bei den mühsam erzielten Erfolgen befürchtet.
Die Auswirkungen sind zwar noch nicht vollständig erfasst, aber das Bild ist weniger alarmierend, als wir erwartet hatten. In vielen Ländern haben sich wichtige lebensrettende Leistungen als bemerkenswert resilient erwiesen. Das zeigt die Entschlossenheit von Ländern, Gemeinschaften und ihren Partnern, sich weiterhin für die Bekämpfung der Krankheiten einzusetzen.
Die Kürzungen haben jedoch echten Schaden sowohl beim Leistungsumfang als auch bei den Gesundheitsergebnissen verursacht. Ein neuer Bericht, der mehr als 100 Partnerländer des Globalen Fonds umfasst, verdeutlicht: Die Zahl der Menschen, die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) erhalten, ist von 1,4 Millionen im Jahr 2024 auf 1,1 Millionen im Jahr 2025 gesunken. Über 2 Millionen jugendliche Mädchen und junge Frauen haben ebenfalls keinen Zugang zu lebenswichtigen Gesundheitsleistungen mehr. Damit wird eine Bevölkerungsgruppe, die bereits einem erhöhten HIV-Risiko ausgesetzt ist, noch stärker gefährdet.
Auch TB-Programme haben Reduzierungen oder Unterbrechungen von Gemeinschaftsaktivitäten, Kontaktnachverfolgung und aktiver Fallfindung verzeichnet. Alle genannten Maßnahmen sind wichtig, um TB-Fälle frühzeitig zu finden, die Behandlung zu beginnen und die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Bei Malariaprogrammen haben einige Länder über Engpässe bei unentbehrlichen Arzneimitteln, Rückschläge bei den Maßnahmen zur Überwachung und Bekämpfung der Medikamenten- und Insektizidresistenz und in einigen Fällen über Verzögerungen bei Präventionskampagnen berichtet.
Dies sind keine unbedeutenden Rückschläge. Jeder Einzelne stellt eine verpasste Chance dar, eine Infektion zu verhindern, eine Krankheit frühzeitig festzustellen oder eine lebensrettende Behandlung einzuleiten.
Doch es hätte viel schlimmer kommen können. Weltweit haben sich HIV-, TB- und Malariaprogramme unter außerordentlichem Druck bemerkenswert gut angepasst. Regierungen haben ihre Anstrengungen verstärkt. Das Gesundheitspersonal hat die knappen Ressourcen maximal genutzt. Programme wurden effizienter durchgeführt. An vielen Orten haben lebenswichtige Medikamente und Leistungen weiterhin die Menschen erreicht, die sie am dringendsten brauchen.
Die Präventionsleistungen haben sich schlechter entwickelt als die Behandlung. Angesichts der Kürzungen der internationalen Finanzmittel haben die Länder die begrenzten Ressourcen auf die Erhaltung der lebensrettenden Behandlung konzentriert. Die längerfristige Stärkung der Kapazitäten, z. B. die Ausbildung von Gesundheitspersonal, und Investitionen in andere Gesundheitssysteme wurden hingegen zurückgestellt. Diese Anpassungen haben die unmittelbaren Auswirkungen der Kürzungen abgemildert. Dies ging jedoch teilweise auf Kosten der längerfristigen Dynamik.
Eine positive Folge war, dass Effizienz und Innovation stärker in den Fokus gerückt sind. Die Länder finden Wege, hochwertige Leistungen zu geringeren Kosten aufrechtzuerhalten, während Fortschritte bei Prävention, Diagnose, Behandlung und Leistungserbringung dazu führen, dass mit den eingesetzten Geldern mehr erreicht wird.
Die HIV-Community nutzt beispielsweise den Einsatz von Lenacapavir, einer injizierbaren Form der Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die zweimal jährlich verabreicht wird, um der HIV-Prävention neuen Schwung zu geben. Lenacapavir schützt fast zu 100 % vor HIV-Infektionen und ist ein echter Gamechanger. Das Medikament wurde im November 2025 erstmalig an Eswatini und Sambia geliefert und danach in acht weiteren afrikanischen Ländern eingeführt. Damit unterstützen die Partner den Einsatz von Lenacapavir in afrikanischen Ländern mit hoher HIV-Last in der gleichen Geschwindigkeit wie in Volkswirtschaften mit hohen Einkommen. Zusammen mit anderen Präventionsmitteln in der Pipeline, wie Alimatravir, einer PrEP-Tablette, die einmal monatlich einzunehmen ist, bietet Lenacapavir uns die Chance, neue HIV-Infektionen deutlich zu reduzieren. So könnte das Ziel der Beendigung von AIDS in Reichweite kommen.
Bei der Tuberkulose (TB) wird durch Innovationen bei Screening-Instrumenten und Diagnostika eine erhebliche Senkung der Kosten im Zusammenhang mit der Auffindung von TB-Kranken erreicht. Die globale Gesundheitsgemeinschaft hat das KI-gestützte digitale Röntgen-Screening bereits in über 20 Ländern eingeführt. Dies ermöglicht eine kostengünstige, hochpräzise Ermittlung von TB-Verdachtsfällen. Mit neuen Near-Point-of-Care-Molekulardiagnostika – die bisher in 13 Ländern eingesetzt werden – kann ein TB-Test zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten durchgeführt werden. Dieses gesamte Instrumentarium unterstützt die Länder bei der Ausweitung ihrer Bemühungen, trotz geringerer Ressourcen Menschen mit TB zu finden.
Bei der Malaria besitzen Insektizid-behandelte Moskitonetze mit dualem Wirkstoff das Potenzial, die Malariafälle in Gebieten mit Insektizidresistenz gegenüber Standardnetzen um bis zu 45 % zu senken – und das zu einem Aufpreis von weniger als einem Dollar. Die meisten Länder haben deshalb auf diesen neuen Netztyp umgestellt, auf den inzwischen 78 % der Neuaufträge über die Beschaffungsplattform des Globalen Fonds entfallen.
Die Kürzungen der externen Finanzmittel haben außerdem zu verstärkten Anstrengungen geführt, die Inlandsaufwendungen für das Gesundheitswesen zu erhöhen. Die Länder sind entschlossen, eigenständiger zu werden, und beschleunigen den Übergang zu national finanzierten Gesundheitssystemen, die weniger abhängig von Mitteln von außen sind. Doch hierfür gibt es keine schnelle Lösung. Viele der am stärksten von HIV, TB und Malaria betroffenen Länder haben eine begrenzte Finanzkraft und erdrückende Schuldenlasten. Konkret mangelt es ihnen an finanziellen Ressourcen, um schnell Eigenständigkeit zu erreichen. Weitere Kürzungen bei externen Finanzmitteln würden den Übergang erschweren, weil sie den Fortschritt bei der Eindämmung der Krankheiten selbst untergraben würden. Der Übergang der Finanzierungsverantwortung ist bei Krankheiten, die bereits gut unter Kontrolle sind und mit weniger Infektionen und Todesfällen einhergehen, deutlich besser realisierbar als bei Krankheiten, die wachsende Bedrohungen darstellen.
Die globale Gesundheitsgemeinschaft hat sich 2025 als widerstands- und anpassungsfähiger erwiesen, als viele erwartet hatten. Doch wir dürfen nicht selbstgefällig sein. Das Modell der globalen Gesundheitsfinanzierung, das in den letzten zwanzig Jahren transformative Fortschritte gebracht hat, ist nicht mehr tragbar. Die Geber sind mit akuten fiskalischen und politischen Restriktionen konfrontiert. Die Länder wiederum haben mit fiskalischen Herausforderungen und Schuldenproblemen zu kämpfen. Konflikte und Unsicherheit führen zu Unterbrechungen bei Gesundheitsleistungen und Kostensteigerungen. Aufgrund von Krankheitsausbrüchen und Extremwetterereignissen müssen bereits knappe Ressourcen umgeschichtet werden. Medikamentenresistenz bedroht unsere mühsam erreichten Erfolge. Die Menschenrechte und der Zugang zu lebenswichtigen Leistungen sind an vielen Orten gefährdet.
Um uns an diese neuen Realitäten anzupassen, müssen wir das globale Gesundheitsökosystem und seine Finanzierung und Versorgungsstruktur neu erfinden. Das bedeutet: Ineffizienzen müssen beseitigt und Verantwortungslücken geschlossen werden. Mittel müssen gezielt für die Menschen eingesetzt werden, die den größten Risiken ausgesetzt sind. Innovationen müssen beschleunigt und die nationale Finanzierung und die Führungsrolle der Länder gestärkt werden. Zudem muss ein verantwortungsvoller Übergang von der Geberfinanzierung unterstützt werden, ohne die Länder alleinzulassen, bevor sie dazu bereit sind. Die von HIV, TB und Malaria am stärksten betroffenen Menschen und Gemeinschaften müssen weiterhin im Mittelpunkt unserer Entscheidungen stehen. Vor allem müssen wir bedenken, was auf dem Spiel steht: Millionen von Menschenleben und die Gesundheit und das Wohlergeben der ärmsten und am stärksten benachteiligten Gemeinschaften der Welt.
Dieser Gastbeitrag ist zuerst auf Forbes erschienen.